Angst und Gier: Lerne dich selbst kennen

Der Weg zu einem guten Anleger und Trader führt nicht daran vorbei, dass du dich selbst kennenlernst. Eigentlich müssten wir uns ja selbst am besten kennen, aber rein objektiv ist das bei den meisten Menschen nicht der Fall.

Gerade an der Börse erlebe ich es immer wieder, wie sich Anleger von urmenschlichen Gefühlen leiten lassen, diese jedoch gar nicht (oder verfälscht) wahrnehmen. Schauen wir dazu auf zwei Extremsituationen.

Die beiden Extreme: Angst und Gier

Wenn du an der Börse handelst, schwanken deine Gefühle in der Regel zwischen Angst und Gier. Das ist selbst bei einem Profi-Trader der Fall, nur mit einem entscheidenden Unterschied. Dazu gleich mehr.

Die Gier

In erster Linie ist dieses Gefühl gar nicht so negativ, wie es auf den ersten Blick klingt. OK, nennen wir es in seiner gesunden Form „Antrieb“. Ohne dieses Streben nach mehr würdest du gar nicht auf die Idee kommen an der Börse zu handeln oder dein Vermögen aufbauen zu wollen.

Jeder Mensch trägt diesen Antrieb in sich. Egal ob du nach mehr finanzieller Unabhängigkeit, mehr Liebe, mehr Freizeit oder Lebensqualität strebst.

Solange uns eine gesunde „Gier“ antreibt, ist daran somit nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Ohne diesen Antrieb würde die Menschheit heute vermutlich noch in Höhlen wohnen ;-)

Problematisch wird es, wenn wir unser Gewinnstreben nicht mehr unter Kontrolle haben. Und genau das passiert an der Börse leider häufiger, als du wahrscheinlich denkst.

Kaufst du das Kaugummi für zwei oder zehn Euro?

Ich erinnere mich an die letzten großen Rallys. Das Interesse an der Börse steigt interessanterweise immer dann besonders stark, je weiter die Kurse bereits nach oben geklettert sind.

Das wäre ungefähr so, als würdest du ein Kaugummi für zwei Euro nicht kaufen wollen, für zehn Euro würdest du aber panisch zuschlagen. Irgendwie unlogisch oder?

Trotzdem: An der Börse hat der historische Verlauf des Preises interessanterweise einen wesentlichen Einfluss auf das Anlageverhalten. Viele Anleger kaufen somit genau dann, wenn die Kurse bereits (zu) weit gestiegen sind.

Es ist übrigens egal, ob du als Daytrader unterwegs bist oder die übergeordneten Trends handelst. Die Gier packt fast jeden, spätestens dann, wenn du erste große Erfolge einfährst.

Die Angst

Kommen wir zum Gegenpol, der Angst. Hast du dich 2008 / 2009 zu den Tiefstkursen getraut massiv an der Börse einzusteigen? Der größte Teil der Anleger NICHT. Aber warum? Das „Kaugummi“ kostete damals gerade mal zwei Euro.

Während viele Anleger zu Höchstkursen von der Gier gepackt werden, dominiert nahe wichtiger Tiefs die Angst. Aber kein Wunder. Ich erinnere mich noch gut an die Finanzkrise. Es herrschte Weltuntergangsstimmung.

Es gehört somit viel Mut und innere Haltung dazu, gegen die Masse der Ängstlichen gegenzuhalten und die Dinge rational zu sehen. Der größte „Feind“ bist jedoch du selbst – Deine Angst.

Fange bei dir an!

Durchlaufe dazu folgende Schritte:

Schritt 1: Lerne deine Gefühle kennen

Einer der wichtigsten Schritte an der Börse ist somit, dass du dich und deine Gefühle kennenlernst. Du kannst Volkswirtschaft studiert haben, alle Zusammenhänge von Angebot und Nachfrage verstehen und ein Top-Charttechniker sein.

All das Wissen nützt dir nichts, wenn du dich beim eigentlichen Handel von deinen urmenschlichen Impulsen leiten lässt. Lerne stattdessen deine Stimmungen kennen und nutze diese im positiven Sinne für deine Entscheidungen.

Schritt 2: Wahrnehmen und erkennen

Es geht somit zunächst einmal darum, dass du deine Gefühle beim Handel an der Börse wahrnimmst. Achte bei deinen nächsten Entscheidungen (Käufen und Verkäufen), aber auch im Vorfeld und während eines Trades verstärkt auf deine Stimmungslage.

Am besten du erweiterst diese Übung auf dein echtes Leben. Je häufiger du dich bewusst wahrnimmst, desto besser wird dir dies auch an der Börse gelingen.

Schritt 3: Rückkopplung

Erinnere dich bei neuen Gelegenheiten an vergleichbare Situationen.

Wie hast du beim letzten Mal reagiert, als die Kurse drei Tage in Folge eingebrochen sind? Hast du dich nicht getraut einzusteigen (=Angst) und kurz darauf drehten die Kurse nach oben?

Wenn du diese Art der Rückkopplung immer wieder durchlebst, wirst du immer besser deine Gefühle einschätzen können. Denn viele Situationen an der Börse ähneln sich.

Es gibt zwar keine Garantie, dass jedes Mal alles genauso verläuft und natürlich haben viele Faktoren einen Einfluss auf den weiteren Kursverlauf. Trotzdem: Deine Stimmung wird dir dabei helfen vergleichbare Situationen zu reflektieren und wiederzuerkennen.

Schritt 4: Kontrolle behalten

Im nächsten Schritt solltest du innehalten. Hast du das letzte Mal panisch genau am Tief verkauft, obwohl deine gesetzte Notbremse noch gar nicht erreicht wurde?

Nutze deine Gefühle nun im positiven Sinne und vielleicht sogar als Kontra-Indikator. Je besser du dich vor und bei wichtigen Entscheidungen kennst, desto eher kannst du in schwierigen Situationen die Kontrolle halten oder dich ganz bewusst gegen dein erstes Gefühl entscheiden.

Schritt 5: Entscheidungen treffen

Damit sind wir beim letzten Schritt: Nutze deine Gefühle neben deinen anderen Instrumenten zielgerichtet um klare Entscheidungen an der Börse zu treffen. Nur wer dieses Prinzip begriffen hat, wird langfristig erfolgreich an der Börse handeln können.

Ganz wichtig! Werde nicht zum Roboter

Entschieden falsch wäre es, wenn wir nun auf die Idee kommen würden, unsere Gefühle an der Börse zu unterdrücken.

Erstens wird dir dies wahrscheinlich nicht gelingen, denn etwas, was uns Menschen in die Wiege gelegt wurde, lässt sich nicht so einfach abtrainieren. Zweitens sind deine Stimmungen – wie du gesehen hast – ein perfekter Wegweiser für deine Entscheidungen.

In diesem Sinne viel Spaß dabei!

Bis bald,
dein Michael

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