Solltest du aktiv oder passiv investieren?

Wenn du langfristig mithilfe der Börse Vermögen aufbauen möchtest, musst du zwangsweise eine für dich passende Anlagestrategie finden. Nun gibt es zwei große Gruppen von Investoren:

Die Aktiven und die Passiven

Beide Strategien haben ihre Daseinsberechtigung. In diesem Artikel zeige ich dir die Vor- sowie die Nachteile und helfe dir eine für dich passende Strategie zu finden.

Aber was ist aktives bzw. passives Investieren überhaupt?

Aktives Investieren

Hierbei handelt es sich um die klassische Variante vieler Anleger und Investmentfonds. Durch gezielte Maßnahmen wird versucht, gegenüber der Benchmark (also zum Beispiel einem großen Index) eine Outperformance zu erzielen.

Hast du beispielsweise den MSCI World als Vergleichsindex, versuchst du mit deiner Strategie besser zu sein als dieser Index. Dies kannst du durch verschiedene Handlungen erreichen.

Zum Beispiel durch:

  • Gewichtung der Sektoren: Du passt die Gewichtung einzelner Branchen regelmäßig an deine Erwartungen an.
  • Market Timing: Du veränderst deine Investitionsquote je nach Markterwartung.
  • Einzelwerte: Du pickst dir aussichtsreiche Aktien heraus, in die du investierst.

Es gibt natürlich noch unzählige weitere Strategien aktiven Investierens.

Leider schaffen es selbst viele Fonds und professionelle Investoren nicht, den Markt mit solchen Strategien zu schlagen. Selbst wenn wir die Gebühren für die Verwaltung eines Fonds außen vor lassen, erzielen viele Fonds nicht die gewünschte Outperformance, sondern bleiben sogar hinter dem Markt zurück.

Und genau hier setzt die Kritik passiver Investoren an.

Passives Investieren

Passive Investoren halten sich stumpf an ihre Benchmark. Sie versuchen somit gar nicht erst eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt aufzubauen.

Die Strategie zielt lediglich darauf ab eine bestimmte Benchmark 1:1 abzubilden. Hast du wie im obigen Beispiel den MSCI World als Vergleichsindex, dann gewichtest du Länder, Sektoren usw. genauso, wie dies auch bei dem Index der Fall ist – dauerhaft.

Das klingt vielleicht auf den ersten Blick langweilig, hat aber durchaus Vorteile. In der Praxis genügt es als Privatanleger beispielsweise auf einige wenige passive Indexfonds bzw. ETFs zu setzen. Damit hast du mit wenigen Handgriffen dein Depot weltweit gestreut und der Arbeitsaufwand hält sich wirklich stark in Grenzen.

Vorteile und Nachteile passiven und aktiven Investierens

Damit kommen wir zu den Vor- und Nachteilen dieser beiden grundlegenden Strategien. Hüte dich davor, verbohrten Meinungen blind zu vertrauen. Viele Anhänger passiven oder aktiven Investierens halten ihre Anlageform für den heiligen Gral. Du kennst das vielleicht aus anderen Lebensbereichen in der Menschen wenig Verständnis für andere Lebensphilosophien haben. Genauso ist es an der Börse auch.

Die Vor- und Nachteile aktiven Investierens

Vorteile:

  • Mögliche Outperformance: Nur durch aktives Investieren hast du überhaupt die Chance eine größere Outperformance gegenüber deiner Benchmark aufzubauen. Du kannst also eine potenziell höhere Rendite als mit einer passiven Strategie erzielen.
  • Kontrolle: Du kannst deine Investitionsquote jederzeit an die Marktlage anpassen. Mit einer passiven Strategie bleibst du beispielsweise bei einem Bärenmarkt stumpf investiert, bei einer aktiven Strategie kannst du auf Warnsignale reagieren und deine Investitionen zurückfahren.

Nachteile:

  • Zeitaufwand: Beim aktiven Investieren musst du regelmäßig Entscheidungen treffen. Der Aufwand dazu hängt von der jeweiligen Strategie ab. Gerade bei einem langfristigen Anlagehorizont ist der Zeitaufwand aber wesentlich geringer, als dies gemeinhin erwartet wird.
  • Börsenwissen: Aktives Investieren setzt voraus, dass du grundlegende Zusammenhänge an der Börse verstehst. Ich werde hier beim Finanzgecko immer wieder darauf eingehen, worauf es genau ankommt.
  • Kosten: Je öfters du handelst und dein Depot umschichtest, desto mehr Transaktionskosten entstehen. Aktives Investieren verursacht damit höhere Kosten als eine passive Strategie. Falls du dich entscheidest, dein Vermögen professionell verwalten zu lassen oder in aktive Fonds zu investieren, fallen weitere Kosten an.
  • Benchmarkrisiko: Beim aktiven Investieren weichst du regelmäßig oder in seltenen Fällen von deiner Benchmark ab. Je stärker du dich anders als deine Benchmark positionierst, desto höher ist das Benchmarkrisiko.

Dazu ein Beispiel: Du erwartest einen deutlichen Rückgang am Aktienmarkt und verkaufst deine gesamten Positionen. Du irrst dich jedoch und deine Benchmark gewinnt im gleichen Zeitraum 15 % hinzu. Obwohl du absolut gesehen nichts verloren hast, hinkst du deiner Benchmark deutlich hinterher. Bedenke immer, dass du dich irren kannst. An der Börse handelst du grundsätzlich nur Wahrscheinlichkeiten. Weiche daher nicht zu deutlich von deiner Benchmark ab.

Die Vor- und Nachteile passiven Investierens

Vorteile:

  • Zeitaufwand: Die Ausrede „Ich habe keine Zeit mein Geld anzulegen“ zählt beim passiven Investieren nicht. Du Investierst einfach einmalig und positionierst dich genau so, wie deine Benchmark dies vorgibt. Alternativ bietet sich ein fester Sparplan an, wenn du regelmäßig einen Teil deines Einkommens anlegen möchtest. Ansonsten genügt es alle paar Monate zu überprüfen, ob du bei Abweichungen von deiner Benchmark Anpassungen vornehmen solltest (Rebalancing).
  • Einfach und übersichtlich: Passives Investieren ist somit sehr einfach und übersichtlich. Ich werde hierauf in Zukunft noch genauer eingehen. Prinzipiell ist es aber mit wenigen Produkten und einem sehr überschaubaren Zeiteinsatz getan.
  • Geringes Benchmarkrisiko: Das Risiko deutlich von deiner Benchmark abzuweichen ist wesentlich geringer als beim aktiven Investieren. Dich interessiert lediglich die langfristige Rendite des Marktes.
  • Kostengünstig: Passives Investieren ist äußerst kostengünstig, ETFs haben eine wesentlich geringere Gesamtkostenquote als aktiv gemanagte Fonds. Darüber hinaus fallen bei seltenen Umschichtungen nur wenige Transaktionskosten an.

Nachteile:

  • Keine Chance auf Outperformance: Mit einer passiven Strategie verzichtest du auf die Chance eine Überrendite gegenüber deiner Benchmark zu erzielen.
  • Durststrecken und deine Psyche: Anhänger passiven Investierens halten diese Anlageform als eine der einfachsten und besten Strategien. In der Theorie mag dies durchaus in weiten Teilen stimmen. Überschätze aber nicht deine Psyche:

Der Markt läuft mittlerweile seit mehreren Jahren sauber nach oben. Kein Wunder also, dass gerade aktuell passives Investieren eine gewisse Popularität erreicht. In den letzten Jahren war es „ruhig“ an den Aktienmärkten und jeder passive Investor konnte stumpf seinem wachsenden Vermögen zusehen. Aber bist du auch noch so gelassen, wenn der Aktienmarkt zwischenzeitlich 5 oder 10 Jahre keinen Gewinn abwirft? Wie reagierst du, wenn dein Depot um 50, 60 oder mehr Prozent innerhalb weniger Monate zusammengefaltet wird?

Der beste Plan langfristig an seinen Positionen festzuhalten bringt nichts, wenn du in Extremsituationen dann doch anders reagierst. Ich möchte vorsichtig behaupten, dass viele der heutigen „passiven“ Investoren solchen Extremsituationen nicht standhalten werden. Wer großem Druck nicht gewachsen ist, verkauft möglicherweise „ungewollt“ zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt und wechselt damit ins aktive Lager.

Der größte Nachteil passiven Investierens ist somit deine eigene Psyche. Daher habe ich diesen Punkt etwas ausführlicher beschrieben. Es gibt Wege, wie du dieses Risiko minimieren kannst. Darauf werde ich in einem separaten Artikel ausführlich eingehen.

Welche Anlageform eignet sich für dich?

Diese Frage hängt in erster Linie davon ab, wieviel Zeit und Energie du in die Börse stecken möchtest. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnt, wenn du dir mit der Zeit entsprechendes Wissen aneignest – selbst wenn du letztendlich doch „nur“ passiv investierst.

Überstürze keine Entscheidung. Jede Strategie sollte im Vorfeld gut durchdacht sein. Der Finanzgecko wird dir dabei helfen, dein Wissen zu vertiefen.

Hast du bereits eine aktive oder passive Strategie? Teile deine Erfahrungen und hinterlasse einen Kommentar.

Liebe Grüße,

Michael

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