Februar 14, 2020

Das Jahr ist noch jung und der Finanzgecko ist zurück.

Zwei Ereignisse also, die danach rufen, dass wir eine kleine Standortbestimmung vornehmen: Wo steht der Aktienmarkt und – noch wichtiger – wo könnte es dieses Jahr mit den Börsen hingehen?

Wenn du meine Artikel und Prognosen bereits vor einigen Jahren gelesen hast, dann hast du vielleicht noch in Erinnerung, dass ich damals für die Aktienmärkte ziemlich bullish (also optimistisch war).

Wir waren noch am Anfang oder maximal in der Mitte des aktuell laufenden Bullenmarktes. Viele Anleger waren skeptisch und noch verängstigt vom Crash 2008. Beste Voraussetzungen also für steigende Märkte.

Und tatsächlich: In den vergangenen Jahren rannte der Markt vorbildlich nach oben. Wenn du damals Aktien gekauft hast, war das aus heutiger Sicht eine gute Entscheidung.

Während die US-Märkte zuletzt weiter nach oben kletterten, wurde die Entwicklung hier in Europa die vergangenen Jahre aber schon etwas holpriger. Und generell: Wir befinden uns schon längst nicht mehr am Anfang des Bullenmarktes. Global gesehen ist der laufende Bullenmarkt einer der längsten – wenn nicht der längste – überhaupt!

Es stellt sich für uns Anleger und Trader somit immer mehr die Frage: Wie weit und vor allem wie lange wird sich der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten noch fortsetzen?

 

Wo stehen wir jetzt im Jahr 2020?

Eine solche Einordnung ist wichtig – gerade wenn wir eine Prognose für dieses Jahr wagen wollen.

Die Phasen eines Bullenmarktes

 

 

Phasen eines Bullenmarktes

 

Phase 1: Die große Skepsis

Ein Bärenmarkt endet in der Regel mit einem Sell-Off. Es herrscht im wahrsten Sinne des Wortes eine Weltuntergangs-Stimmung und die Masse verkauft ihre Aktien panisch zu irrwitzig günstigen Kursen.

(Daran erkennst du sehr schön, dass wir Menschen sehr oft alles andere als rational agieren. Börse hat SEHR VIEL mit Psychologie zu tun!)

Genau in dieser Panik startet in der Regel ein neuer Bullenmarkt. Das Jahr 2009 war hierfür wirklich idealtypisch. Kaum jemand möchte zu Beginn eines Bullenmarktes etwas von Aktien wissen.

Typisch für den Beginn eines Bullenmarktes ist, dass die erste Aufwärtswelle in etwa genauso dynamisch verläuft, wie die letzte Sell-Off-Phase eines Bärenmarktes. In dieser Phase kannst du schnelle Gewinne machen – vorausgesetzt du passt den richtigen Zeitpunkt ab.

Die breite Masse spricht zu dieser Zeit übrigens von einer „Erholung“ oder „Gegenbewegung“ und rechnet anschließend mit weiter fallenden Kursen. Wenn du diese Stimmung durchschaust, kannst du dich sehr günstig mit Aktien eindecken.

Die erste Phase ist geprägt von einer extrem negativen Nachrichtenlage, einer – wie beschrieben – sehr negativen Stimmung und üblen Wirtschaftsdaten.

(All das wurde mit den zuvor gefallenen Kursen vorweggenommen und in der Panikphase nach unten übertrieben. An der Börse wird die Zukunft gehandelt – nicht die Gegenwart oder Vergangenheit!)

 

Phase 2: Die Mauer der Angst und der gemächliche Aufstieg

Ich mag diese zweite Phase in einem Bullenmarkt. Sie ist entspannt und gut berechenbar :-)

In dieser Phase klettert der Markt gemächlich nach oben. Es gibt immer wieder Konsolidierungen und Korrekturen. Die Grundrichtung aber ist: aufwärts!

Oft haben wir es dabei mit einem gut handelbaren Trend zu tun. Und wenn du eine Aufwärtsphase verpasst hast, gibt es immer wieder Rücksetzer, die dir eine zweite oder dritte Chance bieten zu günstigen Chance-Risiko-Verhältnissen einzusteigen.

In der zweiten Phase ist die breite Masse weiterhin sehr skeptisch. Der Markt klettert an einer Mauer der Angst nach oben. Die Medien sind weiterhin voll von Krisenthemen.

Ich erinnere mich sehr gut an die Euro- bzw- Griechenland-Krise. Auch wenn es heute kaum noch einer zugeben möchte: Es gab unzählige Warnungen und eine allgemeine Angst vor neuen Kurseinbrüchen.

Eine solche Nachrichtenlage ist typisch für die zweite Phase. Es herrscht zwar keine Weltuntergangsstimmung mehr, aber die Menschen sind verängstigt, halten sich bei Aktien größtenteils zurück und parken ihr Geld lieber in „sicheren“ Anlagen.

Halten wir fest: Im Gegensatz zur ersten Phase eines Bullenmarktes geht es gemächlicher nach oben. Ein klarer Trend etabliert sich. Die Stimmung ist nicht mehr panisch negativ, aber weiterhin sehr ängstlich und skeptisch. Die Wirtschaftsdaten hellen sich auf, während die Medien immer noch voll mit negativen Nachrichten sind.

 

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Phase 3: Let’s rock it. Gefährliche Euphorie

Erst am Ende der zweiten Phase bzw. am Anfang der dritten Phase eines Bullenmarktes wird die breite Masse optimistisch.

Ja, das ist wirklich spät, aber selbst in dieser Phase kannst du noch gute Gewinne machen. Es ist eine der wenigen Phasen, in denen es einmal sinnvoll ist mit dem Strom zu schwimmen und das zu tun, was die Masse für richtig hält – zumindest eine Weile lang.

Du musst nur rechtzeitig den Absprung schaffen! (Dazu – also wie Bullenmärkte im Detail enden – schreibe ich bei Gelegenheit einen separaten Artikel.)

In dieser dritten Phase haben wir es somit mit einer zunehmend besseren Stimmung und einem breiten Optimismus zu tun. Zum Ende hin schwenkt dieser Optimismus in eine wahre Euphorie um!

Aktien sind hipp. Der Grundtenor lautet, dass man unbedingt Aktien im Depot haben muss. Besonders groß wird das Lager derjenigen, die passive Investments propagieren.

Ich betrachte beispielsweise diese ganzen Blogs mit Vorsicht, die dazu raten ETFs (Exchange Trades Funds) zu kaufen und bis zum Lebensende passiv liegen zu lassen. Das wird im nächsten Crash für viele Unerfahrende, die jetzt noch aufspringen, zur psychischen Geduldsprobe werden!

Werde also immer etwas skeptisch, wenn zu viele Menschen das Gleiche für sinnvoll halten. Das Lager der Anhänger Passiven Investierens wird aktuell immer größer. Es gibt immer mehr Blogs – die alle (so macht es zumindest den Anschein) irgendwie das Gleiche schreiben. Vielleicht schreiben die auch nur untereinander ab :-)

Nein, im Ernst – frage dich: Ist es verwunderlich, dass passives Investieren nach gut 10 Jahren steigenden Kursen immer beliebter wird? Oder andersherum: Wie beliebt waren solche Buy-and-Hold-Strategien nach dem großen Kurseinbruch 2009? Vielleicht ahnst du, was ich sagen will.

Das wird in Zukunft noch ein Thema werden. Da bin ich mir ziemlich sicher!

Du merkst an den letzten Sätzen vielleicht schon:

Wir nähern uns der Phase 3 des laufenden Bullenmarktes oder sind schon mitten drin! Bevor wir zur genauen Einordnung kommen, hier nochmal die typischen Merkmale der Phase 3:

 

  • Allgemeiner Optimismus, der in Euphorie endet
  • Positive Wirtschaftsdaten und Geschäftszahlen der Unternehmen
  • Überwiegend positive Nachrichtenlage
  • Zunehmende Sorglosigkeit
  • Die Volatilität nimmt gegenüber der zweiten Phase wieder zu. Es kann durchaus zu kurzen aber heftigen Rücksetzern kommen, denen dann eine noch dynamischere Aufwärtsbewegung folgt.

 

Typisch für die letzte Phase des Bullenmarktes ist eine kürzere zeitliche Dauer als die zweite Phase. Dabei springt der Markt in dieser relativ kurzen Zeit aber nochmals deutlich nach oben.

Trotz der zunehmenden Brisanz sollte man in dieser Phase eines Bullenmarktes somit durchaus noch mitspielen. Die Kursgewinne können hier – getrieben durch die Euphorie und die zunehmende Gier der Anleger – wirklich sehr signifikant und heftig ausfallen.

Kennzeichnend für die dritte Phase ist zudem, dass oft nicht mehr der breite Markt nach oben steigt.

Einige Aktien beginnen bereits zu fallen, während der Markt nur noch durch wenige Aktien nach oben getragen wird. Häufig sind in der letzten Phase Aktien mit einer besonders hohen Marktkapitalisierung gefragt.

 

Haben wir die dritte Phase bereits erreicht?

Das ist jetzt die Frage der Fragen! :-)

Eines ist klar: Die erste Phase des laufenden Bullenmarktes ist bereits lange vorbei. In den vergangenen Jahren stieg der Markt an einer Mauer der Angst (Phase 2) nach oben.

Doch wo stehen wir jetzt?

Vieles spricht dafür, dass wir uns ziemlich am Ende der zweiten Phase oder bereits am Anfang der dritten Phase befinden.

Die gute Nachricht: Sehr wahrscheinlich ist die Party noch nicht vorbei!

Und du weißt: Je später der Abend, desto besser ist die Party :-) Danach endet sie (bei vielen) mit einem ziemlichen Kater.

Schauen wir auf die Fakten:

  • Die Stimmung ist optimistisch. Immer mehr Experten raten zu Aktien als langfristige Anlage.
  • So ganz euphorisch sind die Leute um uns herum aber noch nicht. Das spricht dafür, dass der Markt – folgt er weiterhin dem idealen Muster – noch nicht am Ende des laufenden Bullenmarktes angelangt ist.
  • Die Wirtschafts- und Unternehmensdaten sind (abgesehen von der jüngsten Delle) positiv.
  • Die Nachrichtenlage ist gemischt. Die Berichterstattung zu den Börsen ist wesentlich positiver als in den ersten Jahren des Bullenmarktes. Auf der anderen Seite gibt es immer noch genug Krisenthemen wie die andauernden Verhandlungen zum Brexit oder ganz aktuell die Angst vor dem Corona-Virus.
  • Ein Warnzeichen ist die Marktbreite: Es steigen längst nicht mehr alle Aktien im „Gleichschritt“. Wir sehen hier zunehmend eine Differenzierung.

 

Anhand der Fakten können wir den Aktienmarkt in die dritte Phase einordnen.

Zumindest hier in Europa sehe ich den Markt jedoch eher am Beginn der dritten Phase. Die US-Aktienmärkte sind da noch ein Stück weiter vorangeschritten.

Nicht alle Bullenmärkte verlaufen nach diesem idealen Muster – beispielsweise dann, wenn ein externes unvorhergesehenes Ereignis die Märkte aus der Bahn wirft.

Aber sehr, sehr viele Bullenmärkte halten sich erstaunlich genau an dieses Muster.

Die Wahrscheinlichkeit ist somit hoch, dass die Börsenparty noch in die heiße Endphase geht. Und vielleicht können wir den Bullenmarkt tatsächlich mit einer fulminanten Party vergleichen:

Ich bekomme gerade etwas Gänsehaut, denn der Abend ist schon spät…

Die Stimmung unter den Gästen wird immer ausgelassener. So langsam nähern wir uns dem Höhepunkt der großen Börsenparty!

Lass uns diese letzten Stunden auf der Tanzfläche genießen, wenn die Kurse gefühlt keine Grenzen mehr kennen und dieses fliegende Gefühl einsetzt.

Der größte Teil der Party ist wohl gelaufen, aber die letzten Stunden sind bekanntlich die Schönsten.

 

Und die gute Nachricht:

  1. Nach der Party ist vor der Party :-)
  2. Nicht jeder folgende Bärenmarkt muss so heftig ausfallen, wie der Crash 2008 / 2009
  3. Auch dafür gibt es Strategien!

 

In diesem Sinne dir eine gute Zeit.

Liebe Grüße,

Michael

About the author 

Michael Jansen

Mit 14 Jahren entdeckte ich die Börse als große Leidenschaft. Ich machte meine Passion zum Beruf. Doch statt Großraumbüro folgte ich dem Ruf der Freiheit, begann als Digitaler Nomade zu reisen und habe mir ein vierstelliges monatliches Grundeinkommen aufgebaut. Beim Finanzgecko gebe ich mehr als 20 Jahre Erfahrung an dich weiter.

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