April 14, 2020

Börsencrash 1929 an der Wallstreet

Wie geht es nach einem Kurssturz an den Aktienmärkten weiter? Vielleicht hast du dir diese Frage auch schon gestellt – und tatsächlich ist das wohl die Frage der Fragen, die uns Anleger und Trader nach dem Börsencrash umtreibt.

Sehen wir eine schnelle Aufholjagd oder tauchen die Börsen noch viel tiefer ab?

Kurz: Das wissen wir nicht. Keiner weiß es!

Aber wir können uns vergleichbare Kursmuster der Vergangenheit ansehen. An der Börse geht es immer um Wahrscheinlichkeiten. Und oft ähneln sich Kursmuster erstaunlich gut – auch wenn die Rahmenbedingungen und oberflächlichen Gründe immer „neu“ und nicht kalkulierbar sind.

 

Beispiel: Börsencrash 1929 – Wie geht es nach einem Crash weiter?

Lass uns heute einen wirklich krassen Vergleich ziehen: Blicken wir auf eines der legendärsten Börsenjahre überhaupt:

Den Börsencrash 1929

Ich weiß, das ist schon etwas her. Soweit ich mich erinnere, habe ich zu dieser Zeit noch nicht gelebt :-)

Aber die Psychologie hinter den Kursbewegungen hat sich seither nicht verändert. Wir Menschen laufen ja immer noch mit dem gleichen „Steinzeitgehirn“ herum. An der Börse wechseln die Emotionen – genau wie damals – zwischen der Angst vor Verlusten und der Angst Gewinne zu verpassen. (Im Extrem kommt oft noch die Gier hinzu.)

Ich habe den aktuellen Kursrutsch zuletzt bereits beim Trading-Minimalist mit einigen Kurseinbrüchen der vergangenen Jahrzehnte verglichen. Hier jetzt noch ein Vergleich zum legendären Börsencrash 1929:

Börsencrash 1929 vs 2020
Quelle der ursprünglichen Charts: Macrotrends (bearbeitet von finanzgecko.de)

 

Im oberen Teil der Grafik siehst du den Börsencrash vom Jahr 1929 beim Dow Jones Index, im unteren Teil den diesjährigen Kurseinbruch.

Was viele Kurseinbrüche gemeinsam haben: Meist folgt darauf zunächst eine schnelle und volatile Gegenbewegung (grün hinterlegt). Dabei holt der Markt häufig in etwa ein Drittel bis die Hälfte – in manchen Fällen auch mehr – der vorherigen Abwärtsbewegung auf.

Die aktuelle Erholung an den Aktienmärkten passt damit ins typische Bild, sagt aber noch nichts über den weiteren Verlauf aus! Hier wird einfach nur eine kurzfristige Überreaktion ausgeglichen. In dieser Phase ist die Volatilität meist noch hoch.

Manchmal markiert der Markt anschließend nochmals ein neues Tief, fällt aber nicht mehr ins Bodenlose. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir das Gröbste damit erst einmal überstanden.

 

Die Orientierungsphase wie im Börsencrash 1929

Das ging alles viel zu schnell – Lass uns erst einmal orientieren

Danach geht es nach vielen Kurseinbrüchen relativ unspektakulär weiter. Während die Crash-Propheten ungeduldig auf den nächsten Kurseinbruch warten, schaltet der Markt in den Modus „Langeweile“.

Ich nenne sie Orientierungsphase.

In einem Börsencrash geht alles sehr schnell vonstatten. Die Marktteilnehmer verlieren gewissermaßen die Orientierung. Erst in der Orientierungsphase werden die Rahmenbedingungen langsam konkreter und die Situation lässt sich besser einschätzen.

Und gerade hier sollten wir uns eingestehen: Wir können unmittelbar nach einem Crash oft kaum absehen, wie es weitergeht!

Es gibt eine Menge unbekannte Faktoren, die einfach nicht vorhersehbar sind. Vielen Kurseinbrüchen ist gemein, dass die Menschheit vor neuen Herausforderungen steht – Ausgang ungewiss.

Gurus mit einer extremen Haltung werden aber ganz klar ihre Anhänger finden. Viele Menschen folgen anderen mit einer klaren Meinung. Doch die Erkenntnis es nicht zu wissen, wäre vernünftiger.

In der Orientierungsphase ordnet und verarbeitet der Markt das Geschehene. Diese Phase kann mehrere Wochen oder gar Monate dauern. Die Volatilität lässt in dieser Zeit spürbar nach. Oft tendiert der Markt im Groben seitwärts – manchmal mit einer leichten Aufwärts- oder Abwärtstendenz. Hauptmerkmal ist aber, dass in der Orientierungsphase erst einmal wenig passiert.

 

Gleich geht's weiter mit dem Artikel ...

Wenn dir der Inhalt gefällt, trage dich hier kurz ein. Dann bekommst du hochwertigen Content, wie diesen, direkt in dein E-Mail-Postfach:

Mit deiner Anmeldung trägst du dich in meine E-Mail-Liste ein. Eine Abmeldung ist jederzeit möglich. Weitere Infos in der Datenschutzerklärung.

 

Zurück zu einer normalen Trenddynamik

Du kannst dir das so vorstellen: Mit dem Kurseinbruch entfernt sich der Markt weit weg vom „normalen“ Trend. Ein Teil der Übertreibung wird mit der ersten Gegenbewegung kompensiert. Danach nähert sich der Markt grob seitwärts der normalen Trenddynamik (siehe gestrichelter Abwärtstrend).

Mit normaler Trenddynamik ist die Abwärtsdynamik gemeint, die über den Zeitraum X entstanden wäre, wenn der Markt die neuen (negativen) Rahmenbedingungen nach und nach im Zeitablauf ohne vorauseilende Panik eingepreist hätte.

Nach der Orientierungsphase folgt dann eine neue, nachhaltige Trendbewegung.

Börsencrash 1929 - Typischer Verlauf

War die Stimmung nach dem Börsencrash 1929 noch zu bullish?

Nutze die Orientierungsphase nicht nur darum die fundamentale Lage einzuordnen. Achte besonders darauf, wie sich die Stimmung unter den Anlegern entwickelt.

  • Sind die Marktteilnehmer im Verlauf der Orientierungsphase skeptisch oder sogar sehr pessimistisch für den weiteren Kursverlauf, sind die Voraussetzungen gut, dass der Markt bereits bereinigt ist und die Kurse schnell auf neue Hochs steigen.
  • Hellt sich die Stimmung in der Orientierungsphase zu schnell auf, würde ich dagegen vorsichtig sein. (Beispiel: Es wird allgemein dazu geraten die „günstigen“ Kurse zum Einstieg oder Nachkaufen zu nutzen.)

Die Stimmungsanalyse ist natürlich kein Allheilmittel, liefert aber oft wirklich gute Anhaltspunkte.

Übrigens… Weißt du, wie es 1929 nach der Orientierungsphase weiterging? Ich vermute, dass die Stimmung damals tatsächlich noch zu bullish war.

Was viele nicht auf dem Schirm haben: Der wirklich verheerende Absturz folgte erst in den Jahren nach dem Börsencrash 1929.

Nach der Orientierungsphase verlor der Dow Jones nochmals 86 % an Wert!

Dow Jones Börsencrash 1929 und danach
Quelle des Charts: Macrotrends

 

Insgesamt vernichtete der Markt in diesem Bärenmarkt rund 90 % der Marktkapitalisierung!

Ich will dir jetzt keine Sorgenfalten auf die Stirn malen. Der Markt kann durchaus aus seiner Orientierungsphase nach oben ausbrechen – und auch dazu gibt es Beispiele. Und der Börsencrash 1929 ist wirklich ein Extrembeispiel!

 

Fazit

Es geht an der Börse darum, die Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. Auch wenn diesmal natürlich alles anders aussehen kann, ist das grundlegende Muster nach einem Kurseinbruch häufig ähnlich:

  • Gegenbewegung
  • Orientierungsphase
  • Neue nachhaltige Trendbewegung

Nach der Gegenbewegung, die wir aktuell sehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Markt in Kürze in die Orientierungsphase übergeht. Und diese hilft uns – wie beschrieben – herauszufinden, ob der Markt durch den Crash wirklich bereinigt wurde.

Du weißt ja: Jeder Crash hat einen Zweck (siehe mein Artikel vom 12. März – Was ist der psychologische Zweck des Crashs?).

Behalte somit nicht nur die fundamentale Entwicklung im Blick, sondern besonders: Wie entwickelt sich die Stimmung unter den Anlegern? Das ist für mich aktuell eine der zentralen Fragen, die mir möglicherweise einen Hinweis für die Richtung der kommenden Trendbewegung liefern wird.

About the author 

Michael Jansen

Mit 14 Jahren entdeckte ich die Börse als große Leidenschaft. Ich machte meine Passion zum Beruf. Doch statt Großraumbüro folgte ich dem Ruf der Freiheit, begann als Digitaler Nomade zu reisen und habe mir ein vierstelliges monatliches Grundeinkommen aufgebaut. Beim Finanzgecko gebe ich mehr als 20 Jahre Erfahrung an dich weiter.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Trage dich jetzt kostenlos ein und hol dir alle aktuellen Updates!

>