August 20, 2020

Ist Gold wirklich sicher?

Gold ist zurzeit in aller Munde. Was verbindest du damit?

Sicherheit, Inflationsschutz oder einfach einen unbegründeten Hype?

Der aktuelle Gold-Boom ist wohl insbesondere dem ‚Gelddrucken‘ der Notenbanken geschuldet und dem damit schwindenden Vertrauen in die Wertigkeit der klassischen Währungen. Doch wie immer, wenn ein Thema zur Massen-Meinung wird, solltest du dich fragen:

  • Was ist möglicherweise bereits in den Kursen eingepreist?
  • Und gibt es alternative Sichtweisen, die der Mainstream übersieht?

Märkte sind effizient. Der Preis, den du aktuell für Gold zahlen musst, spiegelt letztlich genau die derzeitige Erwartungshaltung der Masse wieder.

Gold ist eine „Angst-Währung“. Und Angst als Wegweiser für Investment-Entscheidungen ist selten gut. Nehmen wir Gold also einmal etwas ‚auseinander‘.

 

Der Preis (ist ‚hoch‘)

Der laufende Gold-Boom begann nicht gestern oder vorgestern sondern kurz nach der Jahrtausendwende. Damals notierte der Goldpreis im Tief bei fast 250 USD.

Zum Vergleich: Heute zahlst du für eine Unze Gold rund 2.000 USD! Ob dies nun günstig oder teuer ist, kann jeder für sich entscheiden, denn wir haben bei Gold ein Bewertungsproblem. Dazu gleich mehr.

Fakt ist jedoch: Wer jetzt noch Gold kauft, zahlt für eine Unze Gold rund achtmal soviel wie vor 20 Jahren!


Ist Gold sicher?

Problem: Fehlende Bewertungsmaßstäbe

Wenn du an einem Unternehmen beteiligt bist, hast du handfeste Größen wie Umsätze, Gewinne, Dividenden, den Buchwert eines Unternehmens und so weiter. Es gibt somit Anhaltspunkte, an denen du die Bewertung festmachen kannst.

Klar, die Bewertung ist immer subjektiv und wird letztlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Doch bei Gold fehlen solche Maßstäbe vollends.

Gold bietet keine Zinsen, Dividenden und auch keinen anderen wirklichen Nutzen, wie zum Beispiel eine Immobilie. Stattdessen zahlst du bei Gold unter Umständen sogar Lagerkosten für deine Kiste voller Goldbarren.

Niemand kann also wirklich beurteilen, ob das aktuelle Kursniveau teuer oder günstig ist. Es grenzt somit an reine Spekulation, ob der Goldpreis in einigen Jahren bei 10.000 USD oder bei nur noch 500 USD steht.

 

Das Vertrauen ist entscheidend

Die Menschheit hat vor vielen vielen Jahren einmal entschieden, dass Gold wertvoll ist. Letztlich entsteht ein Wert, wenn eine bestimmte Sache unser Vertrauen hat und (subjektiv) als wertvoll angesehen wird. Gold genießt diesen Status bereits seit Jahrhunderten und hat auch schon so manche Währung überdauert.

Das ist ein klarer Pluspunkt für Gold – wenngleich der Wert und das Vertrauen natürlich rein subjektiv ist. (Aber letztlich baut unser gesamtes Finanzsystem auf Vertrauen auf).

Statt Gold hätte die Menschheit vor Jahrhunderten auch etwas ganz anderes als wertvoll erklären können. Oder wäre die Welt damals bereits so digital wie heute gewesen, so wäre irgendwer wahrscheinlich auf die Idee gekommen statt Gold so etwas wie Bitcoin als Wertmaßstab zu sehen. Auch der Wert von Bitcoin beruht allein auf Vertrauen.

Frage dich also: Inwieweit wird eine Währung, ein Edelmetall oder eine Kryptowährung auch in Zukunft das Vertrauen der Menschheit genießen. Verliert eine Sache das Vertrauen, verliert sie auch schnell an Wert!

Gold ist bewährt und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es auch in den nächsten Jahren dieses Vertrauen genießt. Das Risiko bei den neuen Krypto’währungen‘ sehe ich dagegen weit höher, dass das Vertrauen in unserer schnelllebigen Zeit durch neue Innovationen oder Trends auch schnell wieder überholt sein könnte.

 

Gold inflationsbereinigt: Ein etwas anderes Bild

Doch Vertrauen hin oder her. Letztlich ist der Preis entscheidend, den du dafür bezahlen musst. Nachfolgend siehst du einen etwas anderen und noch dazu sehr langfristigen Gold-Chart.

Das besondere an dem Chart: Im Kursverlauf wird die Inflationsrate mit berücksichtigt. Wir können somit den aktuellen Goldpreis inflationsbereinigt mit dem Wert in der Vergangenheit vergleichen.

 

Ist Gold sicher? Historisch hohe Schwankungen

Quelle: Macrotrends

 

Fakt ist, dass es in der Historie unter Berücksichtigung der Inflation jahrzehntelange Phasen gab, in denen der Goldpreis inflationsbereinigt fiel!

Ferner interessant: Gold notiert (ebenfalls inflationsbereinigt) im Bereich historischer Hochs. Auch aus dieser Sicht ist der Goldpreis aktuell alles andere als günstig.

Trotzdem kann der Goldpreis – insbesondere auch nominal – natürlich weiter steigen. Denn sollte die Inflationsrate schneller steigen, so führt dies im inflationsbereinigten Chart trotzdem zu fallenden Kursen. Das sollte man berücksichtigen, denn das Halten von Bargeld wäre in diesem Fall wahrscheinlich die schlechtere Wahl. Noch ist das Thema Inflation aber eher ein Schreckgespenst in den Köpfen der Menschen, als Realität.

 

Fazit

Gold ist nicht per se sicher – auch wenn dies oft behauptet wird. Gerade fehlende objektive Bewertungsgrößen lassen viel Raum für Spekulation. Und das ist ein gutes Stichwort:

Im Kurs steckt bereits eine Menge Spekulation. Sollten die Sorgen um die konventionellen Währungen und damit das Interesse an Gold abebben, kann dies erhebliche negative Folgen für den Goldpreis haben.

Eine Anlage, die durchaus von 2.000 USD auch wieder auf 500 USD oder tiefer fallen kann, würde ich zudem nicht als sicher bezeichnen. Zumindest in der Vergangenheit erlebte Gold nach kräftigen Boom-Jahren inflationsbereinigt jahrzehntelange Abschwünge! Das sollte man im Hinterkopf behalten.

Bleibt der Schutz vor Inflation und vor einem möglichen Währungs-Kollaps: Das ist durchaus ein Argument für Gold! Doch für meinen Geschmack gibt es hier interessantere Alternativen wie Aktien oder Immobilien.

Ob und wieviel Gold man in seinem diversifizierten Portfolio halten möchte, ist daher eine sehr individuelle Entscheidung und letztlich auch eine Frage des Geschmacks. Ich stehe mehr auf Aktien -allein schon aufgrund der historisch höheren Rendite.

Und zu guter Letzt: Jede Form der Sicherheit hat immer seinen Preis. Auch eine Versicherung schließen wir schließlich nicht um jeden Preis ab.

About the author 

Michael Jansen

Mit 14 Jahren entdeckte ich die Börse als große Leidenschaft. Ich machte meine Passion zum Beruf. Doch statt Großraumbüro folgte ich dem Ruf der Freiheit, begann als Digitaler Nomade zu reisen und habe mir ein vierstelliges monatliches Grundeinkommen aufgebaut. Beim Finanzgecko gebe ich mehr als 20 Jahre Erfahrung an dich weiter.

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