September 10, 2020

Gewinnrenditen der Asset-Klassen im Vergleich
  • Wo gibt es noch lohnenswerte Investments?
  • Wie attraktiv sind Aktien im Vergleich zu Immobilien und Anleihen?
  • Und: Sind Aktien zu teuer?

Auf diese Fragen schauen wir in diesem Artikel.

Eine der beliebtesten Kennzahlen um Aktien zu bewerten ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Kurz: KGV

Gemessen an den historischen Kurs-Gewinn-Verhältnissen sind Aktien zurzeit nicht gerade günstig – sprich, wenn wir die Aktienkurse ins Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen setzen.

 

Der S&P 500 ist derzeit mit einem KGV von fast 29 bewertet und damit bald doppelt so hoch, wie im langfristigen Mittel.

 

S&P500 KGV historische Entwicklung
Quelle der Daten: https://www.multpl.com/s-p-500-pe-ratio/table/by-year

 

In der Grafik erkennst du, dass das KGV auf Sicht von mehr als 100 Jahren meist in einer Spanne zwischen ca. 5,3 und 25 lag (grün hinterlegter Bereich). Zur Jahrtausendwende und zur Finanzkrise gab es kurze Ausreißer nach oben. Der Median liegt bei 14,83.

 

Das aktuelle KGV von fast 29 liegt somit sowohl oberhalb der historisch üblichen Spanne sowie weit oberhalb des Medians.

 

Doch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hat so seine Schwächen:

  • Ein hohes KGV heißt nicht, dass die Kurse unmittelbar fallen müssen. Ein hohes Bewertungsniveau kann mitunter Jahre andauern. Dazu ein Beispiel aus dem Immobiliensektor: Die Preise in München bewegen sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Auch die Bewertung von Aktien kann über Jahre hinweg hoch sein.
  • Ein hohes KGV muss sich zudem nicht durch fallende Aktienkurse auflösen. Klettern die Gewinne der Unternehmen entsprechend deutlich, kann das KGV selbst bei steigenden Aktienkursen fallen.
  • Ein Extrembeispiel dazu sahen wir im Jahr 2009. Die Unternehmensgewinne waren in der Finanzkrise deutlich eingebrochen, die Aktienkurse ebenfalls. Damals war trotz historisch hoher KGVs einer der besten Zeitpunkte um in Aktien zu investieren, da die Börse den wirtschaftlichen Aufschwung vorwegnahm.
  • Analog dazu können die Aktienmärkte trotz eines niedrigen oder moderaten KGVs fallen. Besonders nach vielen Jahren des Aufschwungs mit hohen Unternehmensgewinnen erscheint das KGV manchmal günstig. Das kann sich aber bei einer wirtschaftlichen Abkühlung schnell ändern, wenn die Gewinne der Unternehmen zu fallen beginnen.

 

Das KGV sagt (allein betrachtet) nicht immer allzu viel darüber aus, ob Aktien teuer oder günstig sind. Im Zusammenhang mit ‚dem großen Bild‘ und anderen Kennzahlen ist das KGV aber durchaus hilfreich. Man muss sich dabei natürlich bewusst sein, dass das KGV recht „launisch“ ist.

 

Gewinnrendite statt KGV: Weniger beachtet, aber aussagekräftig

Doch wechseln wir jetzt die Perspektive. Das KGV sagt ja letztlich nichts anderes aus, wie hoch die Gewinnrendite eines Unternehmens (oder eines Marktes ist).

Ganz klassisch könntest du auch für ein Sparkonto ein KGV errechnen: Du hast ein Sparkonto, auf dem es 5 % Zinsen gibt. (Ich weiß, heutzutage ist das utopisch). Für 100 Euro gibt es jedes Jahr 5 Euro Zinsen. Die Gewinnrendite beträgt also 5 %.

 

Das „KGV“ für dieses Sparkonto wäre dann 5 / 100 = 20

 

Was bedeutet ein KGV von 29 beim S&P 500?

Übertragen wir dieses Beispiel auf den S&P 500. Wie hoch ist die Gewinnrendite bei einem KGV von 29? Kehren wir die Formel dazu einfach um:

 

100 / 29 = 3,45

 

Der S&P500 hat demnach zurzeit eine Gewinnrendite von 3,45 %.

Zum Vergleich: Würde das KGV bei 15 liegen (also in etwa dem langjährigen Mittel), so läge die Gewinnrendite bei attraktiven 6,67 %. Bei einem KGV von 10 läge die Gewinnrendite bei 10 %.

 

Wichtig: Die Gewinnrendite sagt nichts darüber aus, ob du tatsächlich in Zukunft mit dieser Rendite rechnen kannst. Aktien sind kein Festgeld. Die Unternehmensgewinne können sich jederzeit ändern und die Kurse werden letztlich von Angebot und Nachfrage bestimmt!

 

Warum du die Gewinnrendite im Blick haben solltest

Erst mit einem Blick auf die Gewinnrendite machen wir Aktien mit anderen Asset-Klassen vergleichbar!

Für sich genommen wirkt ein KGV von 29 hoch. Eine Rendite von 3,45 % ist nicht herausragend, doch verglichen mit anderen Asset-Klassen ist die Rendite vielleicht gar nicht mal so schlecht. Und darauf kommt es an:

Wir dürfen Aktien nicht isoliert betrachten!

Angenommen du würdest in einem Umfeld hoher Zinsen tatsächlich 5 % Festzins bei deiner Bank mit ausreichender Einlagensicherung bekommen, dann wären Aktien bei einer Gewinnrendite von 3,45 % wirklich unattraktiv.

Bietet dir deine Bank dagegen einen Festzins von 0,5 % an, so sind Aktien selbst bei nur 3,45 % Gewinnrendite bzw. einem KGV von 29 – je nach Anlagepräferenz – durchaus eine Überlegung wert.

 

Aktien vs. Anleihen vs. Immobilien

Vergleichen wir also die Gewinn-Renditen verschiedener Anlageklassen:

Vergleich Gewinnrenditen der Asset-Klassen

Beim Vergleich unterschiedlicher Asset-Klassen relativiert sich die Bewertung der Aktienmärkte hinsichtlich des hohen KGV erheblich. Aktien gehören hinsichtlich der Gewinnrendite weiterhin zu den attraktivsten Asset-Klassen!

Das Gesetz, dass Risiko mit einer höheren Rendite belohnt wird, gilt weiterhin. Die unterschiedlichen Asset-Klassen reihen sich sehr schön in der „richtigen“ Reihenfolge ein.

Die „risikolose“ Umlaufrendite straft scheues Kapital sogar mit einem negativen Zins ab. Selbst mit 10-jährigen deutschen Staatsanleihen fahren Anleger, die auf Sicherheit setzen, den sicheren Verlust ein.

 

Fazit

Das alte Spiel gilt weiterhin: Sicherheit wird langfristig bestraft, Risiko wird belohnt. Nur eben auf einem wesentlich geringeren Zinsniveau als zu früheren Zeiten. Beziehen wir die in der Vergangenheit höhere Inflation mit ein, so war ein negativer risikoloser Zins trotz nominal höherer Zinsen auch damals keine Seltenheit. So viel hat sich also gar nicht verändert.

Aktien gehören weiterhin zu einer der attraktivsten Asset-Klassen. Wer allerdings auf frühere Renditen von 8-10 % p.a. hofft, wird in den nächsten Jahr(zehnt)en womöglich enttäuscht werden. Denn letztlich hat sich auch die Aktienrendite dem geringeren Zinsniveau durch die gestiegenen Kurse (bereits) angepasst.

  • Sollte das Zinsniveau noch weiter fallen, so würde dies langfristig bei gleichbleibenden (!) Unternehmensgewinnen vermutlich zu weiter steigenden Kursen und KGVs führen (und damit einer weiteren Anpassung der Gewinn-Renditen an das niedrigere Zinsniveau).
  • Das große Risiko liegt natürlich bei einem steigenden Zinsniveau, da wir dann den gegenteiligen Effekt erleben würden.
  • Bleibt das Zinsniveau in etwa konstant, gibt es aus dieser Sicht keine Effekte. Doch die Aktienmärkte werden natürlich auch von anderen Faktoren bewegt, die wir in dieser Betrachtung außen vor lassen. Das sollte man nicht vergessen.

Die allesamt niedrigen Gewinn-Renditen passen ins Bild des Niedrigzins-Umfeldes – wobei Aktien durch ihren Risikoaufschlag unverändert eine potenziell höhere Rendite gegenüber risikoärmeren Anlageklassen bieten.

Gemessen an den historischen KGVs sind gerade die US-Aktienmärkte (und besonders die Tech-Werte) vergleichsweise teuer. Die Chance-Risiko-Verhältnisse des europäischen Aktienmarktes erscheint gemessen an den KGVs attraktiver.

About the author 

Michael Jansen

Mit 14 Jahren entdeckte ich die Börse als große Leidenschaft. Ich machte meine Passion zum Beruf. Doch statt Großraumbüro folgte ich dem Ruf der Freiheit, begann als Digitaler Nomade zu reisen und habe mir ein vierstelliges monatliches Grundeinkommen aufgebaut. Beim Finanzgecko gebe ich mehr als 20 Jahre Erfahrung an dich weiter.

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